MIT Bodenseekreis, Pressemitteilung Nanotechnologie
Mittwoch, 14. April 2010
Nanotechnologie: Chance oder Risiko
Markdorf: CDU und MIT zu Gast bei J.Wagner. Prof. Boneberg klärt über die Chancen und Risiken der Nanotechnologie auf.
Wenn man heute den Begriff Nano google, bekomme man über 60 Millionen Treffer, beginnt Professor Dr. Boneberg seinen Vortrag vor vollbesetzten Stuhlreihen im Casino der Firma J. Wagner.
In Zusammenarbeit mit dem Nano-Zentrum Euregio Bodensee hatten der CDU Ortsverband Markdorf und die MIT Bodenseekreis, die Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung eingeladen. Sie alle wollten sich aus erster Hand über die Chancen und Risiken der neuen Hochtechnologie informieren.
Zunächst machte Prof. Boneberg den Unterschied zwischen Miniaturisierung und Nanotechnologie am Beispiel einer CD Rom, DVD und Blue Ray Disc klar. Hierbei handelt es sich nicht um Nanotechnologie, da die Eigenschaften der Stoffe nicht verändert sondern nur verkleinert werden. Bei der Nanotechnologie werden Strukturen, Geräte und Systeme geschaffen, die auf Grund ihrer Größe neue Eigenschaften und Funktionen besitzen. Die Nanotechnologie ist in der Zwischenzeit auf dem Gebiet der Medizin schon so weit, dass durch veränderte Partikel Krebszellen aufgespürt und auf Grund der Magnetischen Eigenschaften der Nanoteilchen abgetötet werden können. Die ersten Versuche in dieser Richtung sind bereits sehr Erfolgversprechend.
Praktische Beispiele waren ebenso Bestandteil des Vortrages wie der Hinweis auf Fördermittel, die es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglicht, durch Forschung an oder Zusammenarbeit mit den Universitäten und Instituten Lösungen zu finden oder Defektanalyse zu betreiben.
Die Nanotechnologie bietet nicht nur Potential für den Mittelstand, sie hat auch großes Potential für ein Hochtechnologieland wie Deutschland, so Boneberg weiter. Nanopartikel haben längst den Einzug in unser Leben gehalten, ob Sonnencremes oder Schminke, beschichtete Fensterscheiben oder wasserabweisende Nanolackierungen.
Es gibt jedoch keine Technologie ohne Risiko, warnte Professor Boneberg. "Wenn den Menschen gesagt worden wäre, dass jedes Jahr ein paar Tausend Menschen in Deutschland durch das Automobil ums Leben kommen, hätte die Entwicklung nicht so rasch fortschreiten können. Dies gilt auch für den Strom. Beides ist heute aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken".
Wir müssen aus den Fehlern der Gentechnologie lernen, rät er weiter. Sonst verschlafen wir den Anschluss und importieren anschließend diese Produkte statt diese zu vermarkten. Das Risiko durch Nanobeschichtete Stoffe Schaden zu nehmen sei gering, da die Haftungsfähigkeit der Produkte mit ihrer Größe sehr hoch ist und diese Partikel nur sehr schwer abzulösen sind.
Anders verhält es sich mit Nanopartikel, die bei der Lebensmittelherstellung verwendet werden. So gibt es zwischenzeitlich ein Patent auf eine Nanobeschichtung für Mars Schokoriegel, um das Aussehen zu schützen. Durch diese Behandlung verfärbt sich die Schokolade nicht mehr und sieht stets frisch aus.
In der Medizintechnik sind die möglichen Chancen weitaus größer als die Risiken. Insbesondere bei der Bekämpfung von Krebs und im Bereich der Instrumentenbeschichtung bestehen neue Einsatzmöglichkeiten. Im Anschluss hatten die Besucher ausgiebig Gelegenheit, mit Prof. Boneberg über die Veranstaltung zu diskutieren.
Text und Fotos: Jürgen Schäfer

