Pressemitteilung "Kreditklemme im Mittelstand"
Dienstag, 18. August 2009
Kreditklemme im Mittelstand?
CDU-Mittelstandsvereinigung diskutiert mit Vertretern der Banken
(23.07.09, Landtag)
Auf Einladung des Landesvorstandes der MIT (Mittelstands-und Wirtschaftsvereinigung der CDU) stellten sich Vertreter der baden-württembergischen Bankenverbände und der KfW den kritischen Fragen der Mittelständler zum Thema "Kreditklemme in der Krise - ist der Mittelstand noch zu retten?"
Der Landesvorsitzende der MIT-Baden-Württemberg, Peter Ibbeken, begrüßte die Vertreter der Kreditinstitute mit dem Hinweis auf die aktuell widersprüchlichen Presseberichte: "Wir lesen einerseits, der Geldstrom stocke beim Mittelstand und andererseits, es gäbe keine "Kreditklemme", was stimmt denn nun?
Während die Bankenvertreter (s. Bild), Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Gerhard Schorr, Geschäftsführer des Württembergischen Genossenschaftsverbandes und Dr. Stefan Breuer, Direktor der KfW, betonten, auch in der Krise stünden dem Mittelstand ausreichend Finanzierungen seitens der Banken zur Verfügung, das Volumen sei im Vergleich zum Vorjahr quasi gleich geblieben, widersprachen die MIT-Mitglieder heftig.
Zahlreiche Probleme hatten die Selbständigen in diesem Jahr selbst erlebt oder im Umfeld erfahren: eine Firma, der die Übergabe an den Nachfolger unmöglich gemacht wurde, weil, bei ansonsten guter Prognose, aus Sicht der Bank 50.000 Euro fehlten. Andere berichten von eklatanten Problemen seit der Anwendung der Basel II-Richtlinien, diese seien, gerade in der Krise, zu starr und unflexibel, "weiche Faktoren" blieben im Gegensatz zu früher unberücksichtigt. Mancher Unternehmer werde ohne Not in die Insolvenz getrieben.
Von Hilfen, die der Staat Großunternehmen gewähre, könne ein kleiner Mittelständler, der in der Regel privat hafte und das Risiko allein zu tragen habe, nur träumen. "Und den Rest geben uns die Kreditversicherer", so ein Unternehmer, "die überziehen uns quasi über Nacht wegen der gestiegenen Risiken mit negativen Ratings". Im übrigen seien die Kreditzinsen angesichts eines EZB-Zinssatzes von 1 % viel zu hoch, für Dispokredite würden teilweise 18% verlangt. Die KfW-Kredite würden den meisten gar nicht gewährt, da die Hausbanken an der Vermittlung zu wenig verdienten und sich mit einem Anteil an dem Kreditausfallrisiko beteiligen müssten.
"Wir wissen, dass der Mittelstand uns braucht", sagt dazu Peter Schneider vom Sparkassenverband. Gerade heute sei auf die Hausbanken, die Volksbanken und Sparkassen, am ehesten Verlass. Deshalb habe man auch viele von den Großbanken enttäuschte Kunden hinzugewonnen. Letztlich seien auch die Banken durch die Krise selbst in Not gekommen und müssten wegen der erforderlichen Erhöhung des Eigenkapitals entsprechend kalkulieren. Die Zinsspanne betrage im Schnitt für die Banken auch nur ca. 2 Prozent. Man bemühe sich aber dennoch nicht um eine schematische, sondern um eine persönliche Prüfung des Einzelfalls. Sein Rat: "Pflegen Sie den Dialog mit ihrer Hausbank, planen Sie langfristig und wenden Sie sich notfalls an den Vorstand". Im übrigen seien die alten Tugenden Liquidität und Eigenkapital gerade heute wichtig.
Dem pflichtete Gerhard Schorr, Genobank, bei. "Das Problem ist immer die Liquidität, nicht die Überschuldung". Und Dr. Breuer, KfW, räumte ein, dass ihm Probleme bei der KfW-Kreditvergabe durch die Hausbanken bekannt seien. Und setzte ein versöhnliches "Rufen Sie mich an, wenn´s Probleme gibt" hinzu.
"Angesichts dieses Liquiditätsmangels ist es höchste Zeit, dass der Gesetzgeber endlich wieder auf die vorgezogene Fälligkeit der Sozialabgaben verzichtet, und den Unternehmen rund 23 Milliarden Euro Liquidität nicht länger vorenthält", meint abschließend Peter Ibbeken.
Susanne Gruber
Landesgeschäftsführerin MIT

