Pressemitteilung:

Wirtschaftsministerium, Pressemitteilung Unternehmensgruppen

Freitag, 30. April 2010

Wirtschaftsminister Ernst Pfister stellt Ergebnisse eines Forschungsprojekts zur Bedeutung von Unternehmensgruppen in Baden-Württemberg vor
"Nur sechs Prozent der Unternehmen, aber die Hälfte der Beschäftigten im Land, gehören einer Unternehmensgruppe an"
Unternehmen in Baden-Württemberg werden nur zu einem relativ geringen Teil von anderen Unternehmen oder Privatpersonen kontrolliert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschaftsministeriums, die aus Mitteln der Zukunftsoffensive III der Baden-Württemberg Stiftung finanziert wurde. Erstellt haben sie das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen und das Statistische Landesamt; Wirtschaftsminister Ernst Pfister stellte heute in Stuttgart die Ergebnisse vor. Damit liegen zum ersten Mal Daten zur Fremdbestimmung der Wirtschaft in Deutschland und insbesondere in Baden-Württemberg vor.

"Die Studie ergab, dass nur etwa sechs Prozent der Unternehmen im Land einer Unternehmensgruppe angehören, die Mehrzahl der Firmen agiert also selbstständig und ist nicht von Entscheidungen abhängig, die außerhalb Baden-Württembergs getroffen werden", erklärte Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Eine Unternehmensgruppe besteht aus mindestens zwei rechtlich selbstständigen Einheiten - einem Gruppenoberhaupt (kontrollierendes Unternehmen) und mindestens einem gruppenabhängigen Unternehmen (kontrolliertes Unternehmen). Haben die gruppenabhängigen Unternehmen ein Gruppenoberhaupt - beispielsweise die Konzernspitze - außerhalb des eigenen Bundeslandes, so spricht man von fremdbestimmten Unternehmen. Unter dem Begriff "gruppenzugehörige Unternehmen" werden das enthaltene Gruppenoberhaupt und alle gruppenabhängigen Unternehmen zusammengefasst.
"Allerdings ist die Bedeutung von Unternehmensgruppen sowohl in ganz Deutschland als auch in Baden-Württemberg erheblich: Etwa die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet in gruppenzugehörigen Unternehmen und diese generieren etwa zwei Drittel aller Unternehmensumsätze", so Ernst Pfister. Daraus ergebe sich auch, dass gruppenzugehörige Unternehmen im Durchschnitt größer seien als gruppenunabhängige Unternehmen.
In Baden-Württemberg sind gruppenunabhängige Unternehmen im Vergleich zu anderen Bundesländern überdurchschnittlich häufig im Besitz von Unternehmen, Familien und Einzelpersonen mit Sitz innerhalb des Bundeslandes: Während im Bundesdurchschnitt knapp 34 Prozent aller Beschäftigten von Unternehmen oder Personen außerhalb des jeweils eigenen Bundeslandes kontrolliert werden, sind in Baden-Württemberg nur 31,5 Prozent der Beschäftigten von Entscheidungen außerhalb des Südwestens abhängig. "Das zeigt, dass betriebliche Entscheidungen - beispielsweise über die Personalpolitik oder über Investitionen - vermehrt von den hiesigen Unternehmen getroffen werden", so der Minister.
Die Studie hat ebenfalls gezeigt, dass es teilweise erhebliche Unterschiede bei den einzelnen Wirtschaftsbereichen gibt: Besonders groß ist der auswärtige Einfluss in Bezug auf die Beschäftigten etwa im Bekleidungsgewerbe; hier arbeiten 62 Prozent der Beschäftigten in fremdbestimmten Betrieben, in der Büromaschinenbranche (87 Prozent) und im sonstigen Fahrzeugbau (75 Prozent). Auch der ausländische Einfluss ist stark branchenabhängig: so arbeiten im Büromaschinengewerbe 54 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit ausländischen Entscheidungsträgern, in der Branche "sonstiger Fahrzeugbau" sind es 58 Prozent, im Baugewerbe nur etwa drei Prozent.
"Interessant ist, dass nicht bei den größten Betrieben, sondern vor allem beim oberen Rand der mittelständischen Wirtschaft - Betriebe mit 250 bis 500 Beschäftigten - die Entscheidungsträger häufig außerhalb des Bundeslandes sitzen", erklärte der Minister. Im Übrigen spiele die räumliche Nähe von verbundenen Unternehmen eine große Rolle - die meisten ausländischen Gruppenoberhäupter im Südwesten seien in der Schweiz und in Frankreich ansässig.
Der Anteil von Gruppenoberhäuptern aus Baden-Württemberg bezogen auf die Bundesrepublik liegt bei 15,3 Prozent. Nur in Nordrhein-Westfalen mit 23, 8 Prozent und Bayern mit 17 Prozent sind mehr Gruppenoberhäupter ansässig. Von den bundesweit etwa 195.000 gruppenabhängigen Unternehmen befinden sich etwa 25.000 in Baden-Württemberg. Etwa 2.750 davon haben ein ausländisches Gruppenoberhaupt.
Obwohl die Internationalisierung und globale Unternehmensverflechtungen zunehmen, gab es zu diesem Thema bisher keine verlässlichen Daten, um die Bedeutung von Unternehmensgruppen in nationalem und internationalem Maßstab wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Die Studie "Die Bedeutung von Unternehmensgruppen in Baden-Württemberg" ist im Internet unter http://www.wm.baden-wuerttemberg.de, www.iaw.edu sowie demnächst unter www.statistik-bw.de abrufbar. Sie kann beim IAW Tübingen unter der Nummer 07071/9896-0 zum Preis von 20 Euro in gebundener Form bestellt werden. Ansprechpartner beim IAW ist Dr. Andreas Koch.

Anlage: Terminologie von Unternehmensgruppen:

Eine Unternehmensgruppe besteht aus mindestens zwei rechtlich selbstständigen Einheiten - nämlich einem Gruppenoberhaupt und mindestens einem gruppenabhängigen Unternehmen.

Gruppenoberhäupter sind Unternehmen, die mindestens ein anderes Unternehmen mehrheitlich kontrollieren und selbst nicht mehrheitlich von einem anderen Unternehmen kontrolliert werden.
Gruppenabhängige Unternehmen werden zu mindestens 50 Prozent von einem anderen Unternehmen kontrolliert - können aber selbst auch wieder andere Unternehmen mehrheitlich kontrollieren.
Unter dem Begriff der gruppenzugehörigen Unternehmen werden alle Gruppenoberhäupter und gruppenabhängigen Unternehmen zusammengefasst. Gruppenzugehörige Unternehmen sind stets rechtliche Einheiten und können als solche als Mehrländerunternehmen, Mehrbetriebsunternehmen oder Einbetriebsunternehmen auftreten.

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