MIT BW, Scheuerfest in Mannheim
Samstag, 18. Oktober 2008 0:00 Uhr
Scheuerfest am 18.Okt.2008 in Mannheim
Festvortrag zum Scheuerfest am 18.Okt.2008 in Mannheim
"60 Jahre Soziale Marktwirtschaft"
Peter Ibbeken, Landesvorsitzender der MIT BW
Angesichts der weltweiten Finanzkrise und der drohenden Rezession in der Realwirtschaft könnte einem die Lust zum Feiern vergehen.
Und dann noch "Soziale Marktwirtschaft"!
Bereits im Frühsommer dieses Jahres wurde die Erinnerung an Ludwig Erhard und "seine Soziale Marktwirtschaft" mit fast schon "peinlicher Bescheidenheit" gewürdigt, formulierte der Chefredakteur der Wirtschaftswoche.
Mittlerweile ist die große Krise auch im Bewusstsein angekommen, der Staat ist als Retter gefragt.
Ist da heute "Soziale Marktwirtschaft" nach 60 Jahren überhaupt noch zukunftsfähig?
Wo doch in Deutschland nur noch 31 Prozent eine positive Einstellung zur "Sozialen Marktwirtschaft" haben - worunter jeder übrigens etwas anderes versteht?
Wo doch in Ostdeutschland sogar 41 Prozent die alte "DDR-Planwirtschaft" wieder haben wollen?
Ich meine: Ja!
Gerade in der heutigen Krise ist eine Wiederbelebung, eine Renaissance der "Sozialen Marktwirtschaft", also der menschenfreundlichen Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards, Walter Euckens (nicht zu vergessen Wilhelm Röpke und Alfred Mülller-Armack) dringend geboten. Allerdings unter der Beachtung der -ich nenne es- "Reinheitsgebote" der Freiburger Schule.
Das Erfolgsrezept des Wiederaufbaus des zerstörten Deutschlands nach dem Kriege war genau diese "Soziale Marktwirtschaft" . Es kann auch jetzt wieder helfen.
Warum?
Nun, Erhard und Eucken waren geprägt von der Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre und der Großen Depression Anfang der dreißiger Jahre - die den Nährboden für Hitler bereitete. Sie hatten gelernt aus der Entstehung des Sozialismus, der Zentralverwaltungswirtschaft und den Auswüchsen des freien Kapitalismus. Beide Lenkungsmethoden waren aus Ihrer Sicht gescheitert.
Kommunismus und Sozialismus - man merkt ihnen auch heute wieder an, dass es sich um deutsche Erfindungen (der Herren Marx und Engels) handelt, - sind menschenfeindlich, weil sie vorrangig das nur vermeintlich gerechte Verteilen und obrigkeitsstaatliche Reglementieren wollen, also Planwirtschaft, Zentralverwaltungswirtschaft , Zwangswirtschaft und damit letztlich den Menschen die Freiheit und ihre Menschenwürde nehmen.
Angst, Armut und Neid bleiben der Nährboden für Sozialismus!
Der freie Kapitalismus und Liberalismus, - übrigens englische Erfindungen der Herren Adam Smith und David Ricardo, sind letztlich menschenmissachtend, da sie die Kapitalrendite über alles stellen und die Menschenwürde außer acht lassen.
Gier, Geiz und Machtversessenheit können leicht die soziale Verantwortung ausblenden , zu verheerenden Fehlentwicklungen führen und den in diesen Tagen zu besichtigenden Exzessen führen - und dann damit auch wieder den Boden für Sozialismus und Freiheitsentzug bereiten.
Erhards "Soziale Marktwirtschaft" ist so einzigartig überzeugend, weil sie gleichermaßen die freiheitliche Gesellschaftsordnung mit freier Entfaltung in der Wirtschaft und die Soziale Sicherheit als materielle Grundlage der Menschenwürde anstrebt.

